Zum Hauptinhalt springen

TradingBrothers Blog

04.10.2026 - Euphorie, Absturz, Neuordnung: Wiederholt sich das Muster beim KI-Boom?

Falk Elsner von TradingBrothers zeigt auf eine platzende Blase mit dem Titel „Platzt die KI-Blase? Lehren aus der Dotcom-Ära“

Am 9. August 1995 geht ein junges Unternehmen aus dem Silicon Valley an die Börse. Es schreibt keine Gewinne, verschenkt sein Produkt an Privatleute und trotzdem verdoppelt sich die Aktie am ersten Handelstag. Der Name: Netscape. Sein Browser öffnet Millionen Menschen zum ersten Mal das Tor ins Internet. Und die Wall Street lernt an diesem Tag eine Lektion, die bis heute nachwirkt: Wachstum kann an der Börse mehr zählen als Gewinn.

Wer heute auf die großen Börsengänge rund um künstliche Intelligenz blickt, erkennt in dieser Geschichte erstaunlich viele Muster wieder. Genau deshalb lohnt sich der Blick zurück.

In dieser dreiteiligen YouTube-Serie zum Informationszeitalter haben wir uns die erste digitale Welle angesehen: Chips, Computer, Telefonie, mit Gewinnern wie Microsoft und Verlierern wie Commodore. In diesem zweiten Teil geht es um den Abschnitt von 1994 bis etwa 2020, das Internetzeitalter. Eine Phase, die wir beide als Investoren und Trader fast täglich live miterlebt haben.

Netscape: Die richtige Idee, das falsche Ende

Im Dezember 1994 erscheint der Netscape Navigator, für Privatnutzer kostenlos. Plötzlich kann jeder surfen. In der Spitze erreicht der Browser nach Schätzungen einen Marktanteil von 80 bis 90 Prozent. Ein knappes Dreivierteljahr später folgt der Börsengang mit enormen Kursschwankungen.

Dann greift Microsoft an. Der Internet Explorer wird kostenlos mit Windows ausgeliefert und landet damit automatisch auf nahezu jedem PC. Netscape verliert Quartal für Quartal an Boden. 1998 kündigt AOL die Übernahme an, 2003 wird die Entwicklung des Browsers eingestellt. Das Kartellverfahren gegen Microsoft startet zwar ebenfalls 1998, doch als die Auflagen 2001 und 2002 kommen, ist der Browsermarkt längst verteilt.

Halten wir fest: Netscape lag inhaltlich goldrichtig. Das Internet hat sich durchgesetzt und wächst bis heute. Das Unternehmen, das diesen Boom mit angestoßen hat, existiert aber nicht mehr. Für Anleger steckt darin eine klare Warnung: Ein früher Marktanteil ist keine Garantie für die Jahre danach - jeder Erfolg weckt Begehrlichkeiten und Konkurrenz. Das gilt für die Internetpioniere von damals genauso wie für manchen KI-Börsengang von heute, zumal Microsoft auch im aktuellen Rennen um Rechenzentren und KI-Modelle wieder mit harten Bandagen mitspielt.

Netscape.jpg
Mit dem Browser von Netscape wurde das Internet Mitte der 90er für jeden zugänglich. (KI-generiert: Magnific)

Die Dotcom-Blase: Euphorie, Absturz, Neuordnung

Die Begeisterung für alles mit „.com“ im Namen trägt den Nasdaq 100 bis in den März 2000. Danach kippt die Stimmung. Bis Oktober 2002 verliert der Index fast 80 Prozent. Bemerkenswert ist der Auslöser: Die US-Notenbank hatte den Leitzins zuvor auf 6,5 Prozent angehoben. Nach einer Phase der Irritation schaltet der Markt von Euphorie auf Panik.

Was folgt, ist eine knallharte Bereinigung. Unternehmen mit echten Gewinnen auf der einen Seite, bloße Versprechen und Verlustmaschinen auf der anderen. Aus einzelnen Pleiten wird ein Lawineneffekt. Technologie, eben noch der Hoffnungsträger schlechthin, gilt plötzlich als Risiko, das niemand mehr im Depot haben will.

Dabei werden auch hervorragende Unternehmen mitgerissen. Amazon war 1997 zu 18 Dollar an die Börse gegangen, damals noch ein Online-Buchhändler. In der Korrektur verliert selbst diese Aktie rund 90 Prozent. Und der breite Technologiemarkt braucht mehr als ein Jahrzehnt, um sich von diesem Einbruch zu erholen.

Wichtig ist, was dabei nicht verschwunden ist: das Internet selbst. Ausradiert wurden vor allem gierige, überzogene Ideen und viele selbsternannte Experten. Die Technologie hat die Krise überlebt und ist danach stärker zurückgekommen.

 

Dotcom_Blase.jpg
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase schlug die Euphorie an der Börse in Panik um. (KI-generiert: Magnific)

In der Krise entstehen die neuen Giganten

Mitten in diesen Verwerfungen formieren sich die Plattformkonzerne, die den Markt bis heute dominieren. Google geht 2004 an die Börse. Apple stellt 2007 das iPhone vor und verändert damit nicht nur die Börse, sondern eine ganze Welt. Kurz darauf erschüttert die Finanzkrise die Märkte, die ihren Tiefpunkt erst 2009 findet.

2012 folgt Facebook, heute Meta, mit einer Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar. Damals wurde heftig darüber gestritten, was ein digitales Profil eigentlich wert ist. Die Antwort lieferte, wie bei Google, das Werbegeschäft.

Die Schwerpunkte verschieben sich in diesen Jahren klar: Smartphones, Cloud und Internetinfrastruktur. Aus den „FANG-Aktien“ der frühen 2010er Jahre werden später die Magnificent 7: Microsoft, Alphabet, Apple, Meta, Amazon, Nvidia und Tesla.

Nokia: Wenn der Weltmarktführer den Anschluss verliert

Ab 1998 ist Nokia die Nummer eins im Handy-Markt, in der Spitze mit rund 40 Prozent Marktanteil. Mit dem iPhone verliert der Konzern den Anschluss. 2011 schreibt der damalige Nokia-Chef ein heute legendäres Memo an die eigene Belegschaft: Das Unternehmen stehe auf einer brennenden Plattform.

2013 verkauft Nokia seine Handysparte an Microsoft. Zwei Jahre später schreibt Microsoft auf diesen Zukauf mehrere Milliarden Dollar ab. Die Nokia-Aktie gibt es zwar noch, sie notiert aber weit unter ihrem Hoch aus dem Jahr 2000. Heute rüstet das Unternehmen Mobilfunknetze aus. Die große Geschichte ist vorbei.

 

Nokia.jpg
Nokia verpasste den Wandel zum Smartphone und verlor seine Weltmarktführerschaft. (KI-generiert: Magnific)

Microsoft: 17 Jahre warten auf ein neues Hoch

Auch Microsoft ist keine lineare Erfolgsstory. Das Hoch von Ende 1999 holt die Aktie erst im Oktober 2016 wieder ein. Unter Steve Ballmer sprechen viele vom „verlorenen Jahrzehnt“. Erst mit Satya Nadella, der im Februar 2014 das Ruder übernimmt, beginnt die Neuerfindung. Sein Leitsatz vom ersten Tag an: Mobile first, Cloud first. Mit dem Cloudgeschäft, der Übernahme von Activision Blizzard und weiteren strategischen Schritten wird Microsoft wieder zum Wachstumswert.

Diese Durststrecke kennen wir aus eigener Erfahrung. Wir haben unsere ersten Microsoft-Aktien genau in dieser schwierigen Phase gekauft und halten sie bis heute. Ehrlich gesagt: Mit den heutigen Broker-Apps, bei denen ein Fingertipp genügt, um das komplette Depot zu leeren, wäre das deutlich schwerer gewesen. Ein Verkauf hätte uns damals ein paar Schwankungen erspart. Heute wäre der Schaden brutal.

Als 2020 die Corona-Krise den Markt innerhalb weniger Wochen um fast ein Drittel einbrechen lässt, kaufen wir bewusst nach: Microsoft und Alphabet, die aus unserer Sicht klaren Gewinner der nächsten Phase. Und diese Phase hatte da längst begonnen. Bereits 2019 war Microsoft bei OpenAI eingestiegen. ChatGPT sollte wenig später Geschichte schreiben. Damit sind wir mittendrin in der dritten Welle des Informationszeitalters.

Was das für Deine Geldanlage bedeutet

Euphorie, Absturz, Neuordnung: Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Geschichte des Internetzeitalters. Wir sind überzeugt, dass es auch in der KI-Ära Bestand hat, nur mit deutlich mehr Kapital und deutlich mehr geopolitischem Gewicht als damals.

Selbst wer die richtige Story früh erkennt und eine der späteren Perlen im Depot hat, muss solche Phasen durchhalten können. Dafür braucht es kein Bauchgefühl, sondern ein bewährtes Konzept. Wir arbeiten seit jeher mit unserer Vermögenspyramide, die das Depot in drei Risikoebenen gliedert:

  • Fundament: echte Aktien als Basis. In Krisen wird abgesichert oder vorübergehend in konservative Werte umgeschichtet.
  • Vermögensaufbau: Swing Trading, zyklische Aktien und Werte, die sich in einer neuen Marktphase etablieren.
  • Spekulation: offensive Positionen mit schwer kalkulierbarem Risiko, aber großem Potenzial.

So bleibt jede Position dort, wo sie hingehört, und ein Crash im spekulativen Bereich gefährdet nicht das gesamte Vermögen.

Wie die Vermögenspyramide und das Risikomanagement dahinter im Detail funktionieren, zeigen wir Dir in unserem kostenfreien Grundkurs. Die Spitze der Pyramide wird von uns mit einem neuen Depot gefüllt, Teilnehmerschluss ist Montag der 12.10.2026 um 23:59 Uhr. Sei dabei, hier alle Infos:

>>> Jetzt alle Infos zum neuen Depot im Event "Wie spekulieren wieder" am 08.10.2026 um 18 Uhr

>>> Oder direkt dabei sein, die ersten Infos sind bereits im geschützten Online-Bereich

13.09.2026 - Spekulieren mit System: Marktcheck, Wahlzyklus und der Start des Pyramidion-Projekts

Pyramidion-Projekt der TradingBrothers: goldene, leuchtende Pyramide als Symbol für das spekulative Trading-Projekt

Der Rüstungssektor gerät nach Jahren im Aufwärtstrend ins Wanken, die Automobilbranche steckt mitten in einem schmerzhaften Umbruch, und in den USA rückt mit den Midterms im November ein Ereignis näher, das die Börse seit Jahrzehnten in ein wiederkehrendes Muster zwingt. Für uns bei TradingBrothers ist genau das der richtige Moment für einen nüchternen Blick auf die Lage. Wer spekulativ investieren will, braucht ein Regelwerk, das schon in schwierigen Phasen funktioniert hat.

Im jüngsten Montags-Webinar sind wir genau darauf eingegangen: auf die aktuelle Lage in zwei zentralen Sektoren, auf den Rückblick unserer gerade abgeschlossenen Spekulationssaison und auf ein neues Projekt, das ab sofort buchbar ist, das Pyramidion.

Rüstungsaktien: Ein Trend am Scheideweg

Über Jahre lief der Rüstungssektor in einem sauberen Aufwärtstrend, getragen von vollen Auftragsbüchern und politischem Rückenwind. Seit einiger Zeit läuft die Bewegung jedoch seitwärts bis schwierig, und genau jetzt entscheidet sich, ob der Trend weiterläuft oder bricht. Wir unterscheiden dabei zwischen dem charttechnischen Trend, der die reinen Tiefpunkte verbindet, und dem markttechnischen Trend, der auf klar erkennbare Hoch- und Tiefpunkte setzt. Beim Rüstungssektor ist der charttechnische Trend bereits gebrochen, der markttechnische Trend hält gerade noch. Fällt auch dieser wichtige Unterstützungsbereich, folgt in der Regel ein deutlicher weiterer Verkaufsschub.

Am Beispiel Rheinmetall wird das greifbar. Die Aktie hat sich von ihrem Hoch nahezu halbiert, und genau solche Halbierungen waren in der Vergangenheit häufig gute Einstiegsgelegenheiten. Unsere Fairvalue-Betrachtung, die den durchschnittlichen Umsatz der letzten drei Jahre dem Kurs gegenüberstellt, zeigt: Die Aktie war zeitweise deutlich überbewertet und ist inzwischen wieder in einen fairen Bereich zurückgelaufen. Eine 25-jährige Saisonalitätsauswertung liefert zusätzlich einen spannenden Hinweis: Der Zeitraum von Oktober bis Mai brachte in fast 90 Prozent der Jahre einen Gewinn.

Trotzdem gilt für uns aktuell: abwarten. Die erste Erholung nach dem Abverkauf fiel mit rund 40 Prozent zwar ordentlich aus, wurde aber nicht von einer klaren Anschlussbewegung bestätigt. Für uns fehlt damit noch der Beweis, dass tatsächlich genug Käufer auf diesem Niveau bereitstehen. Erst wenn sich eine Stabilisierung zeigt, wird aus der reinen Beobachtung eine konkrete Positionierung, dann idealerweise mit einem eng gesetzten Stopp.

Automobilsektor: Wendepunkt oder nächster Rutsch?

Während Rüstung politisch und fiskalisch weiter gefördert wird, sieht es im europäischen Automobilsektor deutlich schwieriger aus. Werksschließungen, Stellenabbau und ein grundlegender Strukturwandel prägen das Bild. Verstärkt wird das durch neue Wettbewerber wie chinesische Hersteller, die mit aggressiven Leasing- und Auto-Abo-Modellen in den europäischen Markt drängen und damit klassische Kaufmodelle unter Druck setzen.

Der Euro Stoxx Automobile & Zulieferer Index befindet sich seit 2022 in einem Abwärtstrend und testet gerade eine wichtige Unterstützungslinie. Auch hier sind sowohl der chart- als auch der markttechnische Trend bereits gebrochen. Sollte sich der Bereich stabilisieren und fundamental etwas an den Rahmenbedingungen drehen, wäre eine Bodenbildung denkbar, dann bevorzugt bei Werten, die sich in der Schwächephase vergleichsweise gut gehalten haben. Bricht die Unterstützung dagegen weiter nach unten, entsteht aus unserer Sicht ein aussichtsreicher Short-Kandidat, insbesondere abseits der großen Standardwerte.

Volkswagen zeigt exemplarisch, wie schnell so etwas gehen kann: Nach einem starken Abwärtsimpuls im Juni befindet sich die Aktie in unserer Einschätzung bereits in einem Freifallszenario, ein Short-Signal wurde ausgelöst. Ob sich das dreht, hängt maßgeblich davon ab, ob es dem Konzern gelingt, Investoren mit echten Reformen zu überzeugen, und das braucht bei einem Unternehmen dieser Größe Zeit.

AI_Autohalle.jpg
*Sinnbild für die Krise der Automobilbranche: verlassene Werkshallen statt voller Produktionslinien.

Rückblick: Eine schwierige, aber erfolgreiche Saison

Unsere große Spekulationsstrategie "OptionsSchein-Depot", kurz das OSD-Projekt genannt, hat die vergangene Saison mit einem Plus von 40 Prozent abgeschlossen. Das Ergebnis kam nicht geschenkt: Der Start fiel mitten in die Unsicherheit um die US-Zollpolitik, und die Auswahl lief über Wochen im Minus. Genau in solchen Phasen zeigt sich, wie wichtig Disziplin ist, wenn man ein Regelwerk mit Gewinnvorteil hat. Wer vorzeitig ausgestiegen ist, hat die spätere Aufholjagd verpasst.

Parallel dazu ist ein zweites, kleineres Projekt in seiner Beta-Phase mit 43 Prozent Rendite zu Ende gegangen, und genau aus diesem Projekt ist unser neues Angebot entstanden.

Neu ab dem 8. Oktober: das Pyramidion-Projekt

Das Pyramidion ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Beta-Phase und richtet sich an alle, die den spekulativen Teil ihrer Vermögenspyramide bewusst kürzer und aktiver gestalten wollen. Statt einer Entscheidung pro Jahr wie bei unserem großen Projekt startet das Pyramidion viermal jährlich, jeweils mit klarem Anfang und klarem Ende nach rund drei Monaten. Das nächste Projekt, Nummer 4 von 2026, startet am 8. Oktober.

Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten:

  • Vorbereitung: Alle Teilnehmer erhalten vorab ein Startvideo mit Ablauf und Aktienauswahl für die neue Runde.

  • Start: Alle kaufen dieselben Werte, das Signal kommt per E-Mail, die Umsetzung erfolgt am Folgetag.

  • Laufzeit: Rund drei Monate, maximal 10 Positionen, jeder Kauf und jeder Verkauf wird mit einer Signal-Mail verschickt.

  • Bilanz: Am Ende wird offen Bilanz gezogen, danach beginnt sofort das nächste Pyramidion-Projekt. "Mund abputzen und weiter!"

Umgesetzt wird die Auswahl über Zertifikate mit moderatem Hebel statt über Optionsscheine, wie wir es aus unserem großen Projekt kennen. Das macht das Pyramidion nach eigener Einschätzung noch eine Stufe intensiver: Schwankungen können deutlich stärker ausfallen, in beide Richtungen. Genau deshalb ist es für uns ein Baustein für die Spitze der Vermögenspyramide, für den bewusst konzentrierten, spekulativen Teil eines Depots, nicht für das Fundament. Der Einstieg ist ab 10.000 Euro möglich, unsere Auswertungen rechnen mit 20.000 Euro als Basis.

Bevor das Pyramidion öffentlich buchbar wurde, ist es durch eine Beta-Testphase gelaufen. Die Teilnehmer haben ihre Erfahrungen dazu geteilt: Im Fokus stand die Disziplin, der Umgang mit Schwankungen und das Risikomanagement innerhalb der eigenen Vermögenspyramide.

Pyramidion_System_2.png
*Depotverlauf der Pyramidion-Beta-Phase im Echtgeld-Depot: von 20.000 Euro Start über 21,6 Prozent und 41,9 Prozent bis zum Abschluss der dritten Runde mit 42,7 Prozent Gewinn.

Die Chance der Irritationsphase: US-Wahlen und der Vierjahreszyklus

Im November stehen in den USA die Midterms an, und historisch betrachtet folgt die Börse davor und danach einem erstaunlich stabilen Muster. In der Regel wird der Markt im Vorfeld etwas vorsichtiger und verhaltener, selbst wenn die Berichtssaison stark ausfällt. Genau in dieser Phase der Unsicherheit entsteht regelmäßig eine der stärksten Börsenphasen im gesamten Vierjahreszyklus, sobald sich abzeichnet, wie die politische Lage ausgeht.

Wer erst nach der Wahl auf endgültige Sicherheit wartet, verpasst in der Regel den größten Teil dieser Bewegung. Hinzu kommt: Ein börsenaffiner US-Präsident hat ein persönliches Interesse an einem starken Markt. Für uns ist das ein zusätzlicher Baustein in der Gesamteinschätzung, kein Freibrief, sondern ein Faktor, den wir in unser Regelwerk einbeziehen, während wir gleichzeitig genau beobachten, ob der Gesamtmarkt insgesamt mitspielt.

Fazit: Systematisch bleiben, statt zu raten

Ob Rüstung, Automobile oder der Blick auf den US-Wahlzyklus: Die einzelnen Bausteine ergeben für sich genommen noch keine Entscheidung. Erst das Zusammenspiel aus Trendanalyse, Saisonalität und einem klaren Regelwerk macht daraus eine belastbare Strategie, die auch schwierige Phasen übersteht, wie die vergangene Saison mit ihren 40 Prozent Rendite gezeigt hat.

Wer tiefer einsteigen möchte, ist herzlich eingeladen: am 17. September findet ein Themenwebinar rund um das Spekulieren statt.

Und wer den spekulativen Teil seiner Vermögenspyramide ab dem 8. Oktober aktiv mitgestalten will, kann sich bereits jetzt für das Pyramidion-Projekt anmelden.


Pyramidion_System.png

 

23.08.2026 - Bitcoin durchbricht die 70.000-Dollar-Marke – Startschuss für neue Rally?

Mann mit Brille betrachtet Bitcoin-Münze prüfend – Symbolbild für die Analyse des Bitcoin-Comebacks

Nach Wochen der Lethargie ist wieder Bewegung in den Bitcoin-Kurs gekommen. Am Mittwoch sprang die Kryptowährung binnen kürzester Zeit um fast 8 Prozent nach oben und kletterte zeitweise bis auf rund 72.000 Dollar – der höchste Stand seit Anfang Juni. Auslöser war eine Ankündigung aus Washington, die zunächst wenig mit Kryptowährungen zu tun zu haben schien: Das US-Finanzministerium erklärte, sein Rückkaufprogramm für langlaufende Staatsanleihen ab dem 9. September deutlich auszuweiten.

Was diese Meldung mit einem Krypto-Kursfeuerwerk zu tun hat, und warum ausgerechnet die Bären selbst zum Brandbeschleuniger der eigenen Niederlage wurden, schauen wir uns heute genauer an.

Vom Zinsmarkt zum Krypto-Kurssprung

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen war zuletzt auf das höchste Niveau seit 2007 gestiegen. Steigende Langfristzinsen belasten Risikoanlagen in der Regel spürbar – auch Bitcoin blieb davon nicht verschont und dümpelte wochenlang zwischen 58.000 und 66.000 Dollar seitwärts.

Mit der Ankündigung des Finanzministeriums, sein Rückkaufvolumen von maximal 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln, drehte das Bild. Die Langfristzinsen gaben nach, der Dollar schwächelte – und plötzlich sah das Umfeld für Edelmetalle und Risikoanlagen deutlich freundlicher aus. Wichtig dabei: Anders als bei klassischen QE-Programmen (Quantitative Easing) handelt es sich nicht um eine Liquiditätsflut, sondern in erster Linie um Schuldenmanagement. Die Aktienmärkte reagierten entsprechend verhalten, während Gold und Silber um jeweils rund 4 Prozent zulegten.

Bitcoin Chart

Der eigentliche Treiber: Ein klassischer Short-Squeeze

Die Wucht der Bitcoin-Bewegung lässt sich allein mit der Zins-Meldung kaum erklären. Der entscheidende Verstärker war ein technisches Phänomen: der Short-Squeeze.

In den vergangenen Wochen hatten sich zahlreiche Marktteilnehmer auf weiter fallende Kurse positioniert – Shorts galten als sogenannter Conviction Trade, also als Wette mit hoher Überzeugung. Als der Kurs stattdessen nach oben drehte, mussten diese Positionen zwangsweise geschlossen werden. Jeder Rückkauf trieb den Kurs weiter an, löste neue Stopps aus und zwang wiederum weitere Short-Seller zum Kauf.

Das Ergebnis: Innerhalb von nur etwa einer Stunde wurden Bitcoin-Short-Positionen im Wert von über einer Milliarde Dollar liquidiert – die größte Welle seit Beginn entsprechender Aufzeichnungen im Jahr 2021.

Politischer Rückenwind aus dem Weißen Haus

Parallel zur Zinsentwicklung sorgte auch die US-Kryptopolitik für zusätzlichen Schub. Präsident Trump traf sich mit Führungskräften mehrerer Krypto-Unternehmen im Weißen Haus und machte deutlich, dass digitale Vermögenswerte für seine Regierung künftig eine Schlüsselrolle spielen sollen. Mehrere Entwicklungen kamen dabei fast gleichzeitig zusammen:

  • Weißes-Haus-Treffen: Trump empfing Vertreter aus der Kryptobranche und betonte die strategische Bedeutung digitaler Vermögenswerte für die USA
  • SEC-Kurswechsel: Die Börsenaufsicht treibt einen branchenfreundlicheren regulatorischen Rahmen voran und will Unternehmen mehr Rechtssicherheit geben
  • Clarity Act: Das Gesetz soll klare Strukturregeln für den US-Kryptomarkt schaffen – steckt aber weiterhin im Senat fest, eine Verabschiedung wird frühestens im Herbst 2026 erwartet
  • Derivateaufsicht: Auch die CFTC bemüht sich darum, große Handelsplattformen stärker in den regulierten US-Markt einzubinden

Genau diese Unsicherheit rund um den Clarity Act bleibt der entscheidende Wackelfaktor für die weitere Entwicklung.

Was macht das große Geld?

Bemerkenswert ist, dass die großen Bitcoin-Investoren offenbar schon seit einiger Zeit wieder zugreifen. Sogenannte Bitcoin-Wale haben ihre Bestände innerhalb der vergangenen 60 Tage um rund 43.000 BTC aufgestockt – ein Gegenwert von etwa 2,75 Milliarden Dollar zum damaligen Kurs. Auffällig dabei: Die Akkumulation setzte bereits ein, als der Kurs Richtung 60.000 Dollar gefallen war, nachdem große Halter zuvor über Monate eher verkauft hatten.

Ein klassisches Muster: Während die breite Masse in Panik verkauft, kaufen erfahrene Marktteilnehmer antizyklisch nach.



Bitcoin_White_House.png
Das Weiße Haus rollt der Kryptobranche den roten Teppich aus. Bild: KI-generiert, magnific

Die entscheidende Frage: Nachhaltiger Trend oder kurzes Strohfeuer?

Ein Short-Squeeze kann eine Rally erheblich beschleunigen – er garantiert aber noch keinen nachhaltigen Aufwärtstrend. Dafür braucht es echte Anschlusskäufe, sobald die erzwungenen Rückkäufe der Short-Seller ausgelaufen sind. Die nächste wichtige Marke liegt bei 75.000 Dollar. Ob Bitcoin diesen Bereich angreifen kann, wird zeigen, ob die aktuelle Dynamik trägt oder ob der Markt zurück in den alten Seitwärtstrend fällt.

Genau hier zeigt sich ein Problem, das viele Privatanleger immer wieder unterschätzen: Kursbewegungen wie diese entstehen innerhalb weniger Stunden – wer nicht bereits investiert war, konnte den größten Teil der Bewegung schlicht nicht mitnehmen. Wer dagegen erst jetzt, nach dem Ausbruch, aus Angst etwas zu verpassen einsteigt, läuft Gefahr, genau am kurzfristigen Hoch zu kaufen.

Genau deshalb setzen wir bei TradingBrothers nicht auf das Erraten solcher Einzelereignisse, sondern auf ein System mit klar definierten Entscheidungspunkten – unabhängig davon, ob gerade ein Short-Squeeze, eine Zinswende oder ein politisches Ereignis die Schlagzeilen bestimmt.

Wie genau unser Ansatz funktioniert, zeigen wir jeden Montag um 18:00 Uhr im kostenlosen Montags-Webinar.

Jetzt anmelden (Klick auf das Bild) 👇

TB_MontagsWebinar.png

Quellenverzeichnis:

  1. Finanzmarktwelt: „Bitcoin explodiert nach Short-Squeeze – fällt jetzt die 75.000?", 20.08.2026
  2. Blocktrainer: „Bitcoin steigt wieder über 69.000 US-Dollar, nachdem das US-Finanzministerium größere Anleiherückkäufe ankündigt", 19.08.2026
  3. finanzen.net: „Kryptorally nach Trump-Treffen: Bitcoin knackt 70.000er-Marke, ETH klettert – Strategy- und Coinbase-Aktie stark", 20.08.2026

14.08.2026 - Anthropic vor dem größten Börsengang aller Zeiten

Silhouette einer nachdenklichen Person mit digitalen KI-Symbolen und Diagrammen im Kopfbereich, Schriftzug "Anthropic IPO – 2 Billionen USD"

Am Nachmittag des 13. August ging eine Meldung durch die internationale Finanzpresse, die selbst erfahrene Marktbeobachter kurz innehalten ließ. Die „Financial Times" berichtet, dass Investoren des KI-Unternehmens Anthropic bei einem möglichen Börsengang im Oktober 2026 mit einer Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar rechnen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest – Anthropic befindet sich seit der vertraulichen Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC am 1. Juni 2026 in der sogenannten Quiet Period, in der öffentliche Aussagen zur Geschäftsentwicklung stark eingeschränkt sind. Sollte sich die Zwei-Billionen-Zahl bestätigen, würde Anthropic damit selbst SpaceX übertreffen, das im Frühjahr mit rund 1,77 Billionen Dollar an die Börse gegangen war – und den größten Börsengang der Geschichte hinlegen.

Wer ist Anthropic überhaupt?

Wer bislang wenig mit dem Namen anfangen konnte, ist nicht allein – Anthropic agiert deutlich zurückhaltender in der Öffentlichkeit als etwa OpenAI. Gegründet wurde das Unternehmen 2021 von ehemaligen Führungskräften von OpenAI, die sich bewusst mit dem Anspruch abspalteten, künstliche Intelligenz besonders sicher und kontrollierbar zu entwickeln. Bekannt wurde Anthropic vor allem durch sein KI-Modell Claude, das in direkter Konkurrenz zu ChatGPT von OpenAI steht und inzwischen von Millionen Nutzern sowie zahlreichen Unternehmen für Textverarbeitung, Programmierung und komplexe Analyseaufgaben eingesetzt wird. Der Großteil der Einnahmen stammt dabei nicht von Privatnutzern, sondern von Firmenkunden, die Claude über Schnittstellen in eigene Anwendungen einbinden – ein Geschäftsmodell, das dem rasanten Umsatzwachstum der letzten Monate zugrunde liegt.



Antrophic_Social_media.jpg*KI hat das Leben der Menschen bereits in vielen Bereichen verändert. Der Börsengang von Anthropic und
das damit einhergehende Wachstum dürften diesen Wandel weiter beschleunigen. Bild: magnific.com ki-generiert

Die wichtigsten Fakten zum IPO im Überblick

  • Geplanter Zeitpunkt: Oktober 2026 (konkretes Datum noch offen, Unternehmen in der SEC-Quiet-Period seit 1. Juni 2026)
  • Erwartete Bewertung: bis zu zwei Billionen Dollar laut mehreren Anthropic-Investoren
  • Letzte bekannte Bewertung: 965 Milliarden Dollar (Mai 2026) – eine Verdopplung wäre also möglich
  • Umsatzentwicklung: von knapp 10 Milliarden Dollar annualisiert (Ende 2025) auf über 47 Milliarden Dollar (Mai 2026)
  • Umsatzprognose bis Dezember 2026: 100 bis 120 Milliarden Dollar annualisiert – eine Verzehnfachung binnen eines Jahres
  • Wachstumsrate: rund 800 Prozent pro Jahr
  • Bewertungsmultiple: zwei Billionen entsprächen etwa dem 20-fachen des erwarteten Umsatzes; manche Investoren halten sogar das 30-fache für gerechtfertigt (rechnerisch bis zu drei Billionen Dollar)
  • Konsortialbanken: Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan führen den Börsengang

Wer neben Anthropic selbst profitieren könnte

Ein direkt vergleichbares, bereits börsennotiertes Unternehmen gibt es für Anthropic nicht – am Markt wird deshalb mit Näherungswerten gearbeitet. Als Referenz dienen aktuell vor allem Palantir und Nebius, beide gelten als Profiteure des KI-Booms und werden derzeit mit dem rund 55-fachen ihres Umsatzes gehandelt. Deutlich direkter am IPO beteiligt sind jedoch zwei Tech-Giganten, die schon heute Milliarden in Anthropic investiert haben:

Amazon: Der größte Nutznießer

  • Hält nach mehreren Investitionsrunden mehr als ein Fünftel von Anthropic
  • Hat bislang rund 8 Milliarden Dollar investiert, mit einer Zusage für bis zu 20 Milliarden Dollar mehr
  • Verbuchte allein im ersten Quartal 2026 rund 16,8 Milliarden Dollar an Vorsteuergewinnen aus der Neubewertung der Beteiligung
  • Die Beteiligung könnte bei einer Bewertung von zwei Billionen Dollar auf über 200 Milliarden Dollar anwachsen
  • Liefert im Gegenzug Trainium-Chips fürs Training und stellt über AWS Bedrock die Cloud-Infrastruktur für Claude

Google: Der stille Gewinner

  • Hält laut Gerichtsdokumenten rund 14 Prozent an Anthropic, vertraglich gedeckelt bei 15 Prozent
  • Investierte in mehreren Schritten seit 2023 – von anfänglich 300 Millionen Dollar bis zu Zusagen von bis zu 40 Milliarden Dollar
  • Die Beteiligung ist bei der aktuellen Bewertung von 965 Milliarden Dollar bereits rund 135 Milliarden Dollar wert
  • Stellt im Gegenzug TPUs (eigene KI-Chips) bereit und betreibt Claude über Google Cloud Vertex AI

Warum nicht jeder überzeugt ist

So beeindruckend die Wachstumszahlen sind, so laut werden auch die kritischen Stimmen. Skeptiker verweisen darauf, dass ein direkt vergleichbares, bereits börsennotiertes Unternehmen für Anthropic schlicht fehlt – jede Bewertung basiert damit auf Annäherungen und eigenen Modellen der Investoren, nicht auf einer belastbaren Marktbewertung. Auch die Preissetzung gilt als wunder Punkt: Anthropics Modelle sind spürbar teurer als die der Konkurrenz, während der Wettbewerb die eigenen Preise kontinuierlich senkt. Hinzu kommen strukturelle Risiken wie der wachsende Wettbewerbsdruck aus China und wiederkehrende Spannungen mit der US-Regierung. Die entscheidende Frage, die selbst Wirtschaftsprofessoren offen stellen: Rechtfertigen die fundamentalen Kennzahlen wirklich einen Preis in dieser Größenordnung – oder wird hier ein Narrativ gehandelt, das der Realität vorauseilt?

Unsere Position: Beobachtungsmodus statt Hektik

Als SpaceX im Frühjahr an die Börse ging, haben wir bei TradingBrothers bewusst nicht sofort reagiert, sondern uns zunächst in den Beobachtungsmodus begeben – Zahlen sacken lassen, Marktreaktionen einordnen, Muster erkennen, bevor überhaupt eine strategische Entscheidung ansteht. Genau diesen Ansatz verfolgen wir auch bei Anthropic. Ein Rekord-IPO mit einer möglichen Bewertung von zwei Billionen Dollar ist ein Ereignis, das die Märkte über Monate beschäftigen wird – nicht ein Anlass für eine überstürzte Entscheidung am Tag der Schlagzeile.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen spontanem Reagieren und einem System, das auf wenigen, klar durchdachten Entscheidungen basiert. Wie wir die Anthropic-Bewertung, die Risiken und die möglichen Auswirkungen auf unser eigenes Depot konkret einordnen, besprechen wir ausführlich im Montagswebinar um 18:00 Uhr – dort nehmen wir dich mit in unsere tieferen Gedanken zu diesem Rekord-IPO und zeigen, was das für strukturierte Anleger tatsächlich bedeutet.

Jetzt anmelden (Klick auf das Bild) 👇


TB_MontagsWebinar.png

Quellenverzeichnis:

  1. Handelsblatt: „Anthropic kann bei IPO wohl mit Zwei-Billionen-Bewertung rechnen", 13.08.2026
  2. Financial Times: Bericht zu Anthropics IPO-Bewertung
  3. Fortune: „Amazon and Google have billions riding on Anthropic. The IPO will finally reveal how much.", 04.06.2026
  4. The Motley Fool: „Amazon's Stake in Anthropic Could Be Worth Over $200 Billion if the AI Startup's Reported IPO Valuation Holds", 06.08.2026
  5. Gradually.ai: „Anthropic IPO 2026: Bewertung, Aktie & Börsengang"

09.08.2026 - Deutschland, wo geht deine Chemie hin?

Deutschland, deine Chemie – Symbolbild zur Krise der deutschen Chemieindustrie

Die deutsche Chemieindustrie durchlebt aktuell die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Die Kombination aus strukturellen Nachteilen am Standort Deutschland, geopolitischen Verwerfungen und einer massiven Gewichtsverschiebung in Richtung Asien hat die Branche in einen existenziellen Stresstest geführt.

Während der Untergang des einstigen Weltkonzerns Hoechst AG, der durch strategische Fehlentscheidungen aufgespalten wurde und sich gewissermaßen selbst zerstörte, noch ein hausgemachtes historisches Beispiel für den Wandel der Branche war, sind die heutigen Probleme existenzieller Natur. Besonders der deutsche Chemiestandort befindet sich seit einigen Jahren in einem beispiellosen strukturellen Wandel, der durch externe Schocks massiv beschleunigt wurde.

denfran-industry-4612432_1920.jpg
*Chemieanlage bei Nacht: Hohe Energiekosten und Bürokratie setzen den Standort Deutschland unter Druck. Foto: Pixabay/denfran

Hohe Kosten, hohe Bürokratie

Eine Kombination aus extrem hohen Produktionskosten und überbordender Bürokratie sorgt inzwischen dafür, dass die gesamte europäische Chemieindustrie regelrecht ums Überleben kämpft.

Als besonders gravierend erweisen sich dabei die globalen geopolitischen Konflikte der jüngeren Vergangenheit. Zunächst trieb der Ukrainekrieg die Gas- und Strompreise in nie gekannte Höhen. Die darauffolgenden geopolitischen Verwerfungen und Lieferkettenprobleme durch den Irankrieg haben die Energiesicherheit weiter belastet und die Kosten auf einem international nicht mehr wettbewerbsfähigen Niveau verfestigt. Chemieunternehmen benötigen nicht nur günstiges Gas und Öl als Prozessstoffe, sondern auch günstige Energie für ihre Anlagen.

Wegen dieser hohen Energiepreise sahen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre Produktion in Deutschland drastisch zurückzufahren. Aktuelle Analysen zum Chemiestandort Deutschland aus dem Jahr 2026 zeichnen ein sehr angespanntes Bild, bei dem neben den reinen Energiekosten auch langwierige Genehmigungsverfahren und Bürokratie massiv Arbeitsplätze gefährden.

Die Abwanderung nach China

Als direkte Konsequenz dieser tiefgreifenden Standortkrise findet eine schleichende Deindustrialisierung statt, bei der die Chemieindustrie ihre strategischen Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert. China nimmt in dieser Entwicklung die absolute Schlüsselrolle ein. Die Volksrepublik lockt nicht nur mit deutlich geringeren Energiekosten, sondern besticht vor allem durch ihren gigantischen und wachsenden Binnenmarkt.

Das prominenteste Beispiel für diese Kapitalflucht ist BASF: Deutschlands größter Chemiekonzern baut derzeit einen neuen Mega-Standort im südchinesischen Zhanjiang und wettet damit Milliarden auf den asiatischen Markt, während die Investitionen und Kapazitäten im heimischen Ludwigshafen im Gegenzug spürbar reduziert werden.

Der im März 2026 offiziell eingeweihte BASF-Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang ist mit rund 8,7 Milliarden Euro Investitionsvolumen das größte Einzelprojekt der BASF-Geschichte und der drittgrößte Standort des Konzerns weltweit nach Ludwigshafen und Antwerpen. Produziert wird dort fast ausschließlich für den chinesischen Markt. Ziel ist es, Transportwege zu minimieren, Zöllen zu entgehen und direkt am dynamischsten Chemiemarkt der Welt zu partizipieren. Das neue Werk wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben und verfügt über den weltweit ersten zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Steamcracker. Technologische Innovationen und massive CO₂-Reduktionen um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen finden somit zunehmend im Ausland statt.

China spielt für die deutsche Industrie eine ambivalente Schlüsselrolle. Einerseits überschwemmt das Land den Weltmarkt mit günstigen Basischemikalien und erhöht damit den Margendruck auf deutsche Hersteller immens. Andererseits fließen die Investitionsmilliarden der großen deutschen Konzerne fast unweigerlich dorthin.

Chinese_Chemical_industry.jpg
*Chinas Chemiemarkt gewinnt für internationale Konzerne zunehmend an Bedeutung. (KI-generiertes Bild - magnific.com)

Keine nachhaltige Trendwende in Sicht

Trotz einer leichten Stabilisierung im ersten Halbjahr 2026 gibt es laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) keine nachhaltige Trendwende. Die Lage ist überaus ernst. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021. Die Hälfte der Chemieunternehmen leidet unter Auftragsmangel, wobei die In- und Auslandsaufträge seit 2021 um über 20 Prozent eingebrochen sind. Die Investitionen im Inland sind das dritte Jahr in Folge rückläufig. Jedes vierte deutsche Chemieunternehmen verlagert derzeit Produktion ins Ausland, bevorzugt nach Asien. Konzerne wie BASF, Evonik und Wacker Chemie haben weitreichende Sparprogramme und Stellenstreichungen initiiert, da hohe Energie- und Produktionskosten sowie zunehmende Bürokratie Investitionen am Heimatmarkt blockieren.

Die toxische Mischung aus dauerhaft hohen Energiekosten infolge des Ukraine-Kriegs und der akuten logistischen Strangulierung durch den Iran-Krieg zwingt deutsche Unternehmen dazu, Werke noch weiter herunterzufahren, wie etwa beim Kölner Konzern Lanxess, oder inländische Anlagen komplett an ausländische Investoren abzustoßen.

Was das für Anleger bedeutet

Das Ganze macht es für Investoren nicht einfach, in deutsche Chemieunternehmen zu investieren. Wir investieren im InVestitions-Depot Starter (kurz IVD-Starter) in den Spezialgase-Konzern Linde, der nach der Fusion mit der amerikanischen Praxair weiter wächst und auch an der Börse punktet. Das IVD-Starter wird von uns kostenfrei angeboten, es ist ein sehr guter Anfang, den wir jedem ermöglichen wollen. Das IVD-Starter steht übrigens seit dieser Woche an seinem Allzeithoch, was uns sehr freut.

👉 Wie du mit dem IVD Starter-Depot strukturiert investierst, statt auf Einzelwetten zu setzen

Quellen

Presseartikel:

1. WirtschaftsWoche – Was wurde aus Hoechst? Die Selbstzerstörung eines Weltkonzerns
https://www.wiwo.de/unternehmen/was-wurde-aus-hoechst-die-selbstzerstoerung-eines-weltkonzerns/29556518.html

2. wallstreet-online – Mega-Standort: BASF wettet Milliarden auf China-Rechnung
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/20659122-mega-standort-basf-wettet-milliarden-china-rechnung-auf

3. Börsen-Zeitung – Chemieindustrie verlagert Investitionen ins Ausland
https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/chemieindustrie-verlagert-investitionen-ins-ausland-2

4. Telepolis – Europas Chemieindustrie kämpft ums Überleben
https://www.telepolis.de/article/Europas-Chemieindustrie-kaempft-ums-Ueberleben-11259114.html

5. Deutsche Welle – Deutschland: Chemieindustrie-Krise, Wirtschaft, Standort
https://www.dw.com/de/deutschland-chemieindustrie-krise-wirtschaft-standort-v2/a-77200065

6. process.vogel.de – Chemie/Pharma Deutschland: Energiepreise, Bürokratie, Jobs
https://www.process.vogel.de/chemie-pharma-deutschland-energiepreise-buerokratie-jobs-a-d0c7fe8bd3237e8411df74f96c02fd82/

7. Tagesspiegel – Wegen hoher Energiepreise: Chemie-, Papier- und Metallindustrie fahren Produktion zurück
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wegen-hoher-energiepreise-chemie-papier-und-metallindustrie-fahren-produktion-zuruck-15599786.html

Datenquellen:

8. EY – Analyse Chemiestandort Deutschland 2026
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/04/ey-analyse-chemie-standort-deutschland-2026

9. Wikipedia – Hoechst (Hintergrund)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoechst