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TradingBrothers Blog

14.08.2026 - Anthropic vor dem größten Börsengang aller Zeiten

Silhouette einer nachdenklichen Person mit digitalen KI-Symbolen und Diagrammen im Kopfbereich, Schriftzug "Anthropic IPO – 2 Billionen USD"

Am Nachmittag des 13. August ging eine Meldung durch die internationale Finanzpresse, die selbst erfahrene Marktbeobachter kurz innehalten ließ. Die „Financial Times" berichtet, dass Investoren des KI-Unternehmens Anthropic bei einem möglichen Börsengang im Oktober 2026 mit einer Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar rechnen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest – Anthropic befindet sich seit der vertraulichen Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC am 1. Juni 2026 in der sogenannten Quiet Period, in der öffentliche Aussagen zur Geschäftsentwicklung stark eingeschränkt sind. Sollte sich die Zwei-Billionen-Zahl bestätigen, würde Anthropic damit selbst SpaceX übertreffen, das im Frühjahr mit rund 1,77 Billionen Dollar an die Börse gegangen war – und den größten Börsengang der Geschichte hinlegen.

Wer ist Anthropic überhaupt?

Wer bislang wenig mit dem Namen anfangen konnte, ist nicht allein – Anthropic agiert deutlich zurückhaltender in der Öffentlichkeit als etwa OpenAI. Gegründet wurde das Unternehmen 2021 von ehemaligen Führungskräften von OpenAI, die sich bewusst mit dem Anspruch abspalteten, künstliche Intelligenz besonders sicher und kontrollierbar zu entwickeln. Bekannt wurde Anthropic vor allem durch sein KI-Modell Claude, das in direkter Konkurrenz zu ChatGPT von OpenAI steht und inzwischen von Millionen Nutzern sowie zahlreichen Unternehmen für Textverarbeitung, Programmierung und komplexe Analyseaufgaben eingesetzt wird. Der Großteil der Einnahmen stammt dabei nicht von Privatnutzern, sondern von Firmenkunden, die Claude über Schnittstellen in eigene Anwendungen einbinden – ein Geschäftsmodell, das dem rasanten Umsatzwachstum der letzten Monate zugrunde liegt.



Antrophic_Social_media.jpg*KI hat das Leben der Menschen bereits in vielen Bereichen verändert. Der Börsengang von Anthropic und
das damit einhergehende Wachstum dürften diesen Wandel weiter beschleunigen. Bild: magnific.com ki-generiert

Die wichtigsten Fakten zum IPO im Überblick

  • Geplanter Zeitpunkt: Oktober 2026 (konkretes Datum noch offen, Unternehmen in der SEC-Quiet-Period seit 1. Juni 2026)
  • Erwartete Bewertung: bis zu zwei Billionen Dollar laut mehreren Anthropic-Investoren
  • Letzte bekannte Bewertung: 965 Milliarden Dollar (Mai 2026) – eine Verdopplung wäre also möglich
  • Umsatzentwicklung: von knapp 10 Milliarden Dollar annualisiert (Ende 2025) auf über 47 Milliarden Dollar (Mai 2026)
  • Umsatzprognose bis Dezember 2026: 100 bis 120 Milliarden Dollar annualisiert – eine Verzehnfachung binnen eines Jahres
  • Wachstumsrate: rund 800 Prozent pro Jahr
  • Bewertungsmultiple: zwei Billionen entsprächen etwa dem 20-fachen des erwarteten Umsatzes; manche Investoren halten sogar das 30-fache für gerechtfertigt (rechnerisch bis zu drei Billionen Dollar)
  • Konsortialbanken: Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan führen den Börsengang

Wer neben Anthropic selbst profitieren könnte

Ein direkt vergleichbares, bereits börsennotiertes Unternehmen gibt es für Anthropic nicht – am Markt wird deshalb mit Näherungswerten gearbeitet. Als Referenz dienen aktuell vor allem Palantir und Nebius, beide gelten als Profiteure des KI-Booms und werden derzeit mit dem rund 55-fachen ihres Umsatzes gehandelt. Deutlich direkter am IPO beteiligt sind jedoch zwei Tech-Giganten, die schon heute Milliarden in Anthropic investiert haben:

Amazon: Der größte Nutznießer

  • Hält nach mehreren Investitionsrunden mehr als ein Fünftel von Anthropic
  • Hat bislang rund 8 Milliarden Dollar investiert, mit einer Zusage für bis zu 20 Milliarden Dollar mehr
  • Verbuchte allein im ersten Quartal 2026 rund 16,8 Milliarden Dollar an Vorsteuergewinnen aus der Neubewertung der Beteiligung
  • Die Beteiligung könnte bei einer Bewertung von zwei Billionen Dollar auf über 200 Milliarden Dollar anwachsen
  • Liefert im Gegenzug Trainium-Chips fürs Training und stellt über AWS Bedrock die Cloud-Infrastruktur für Claude

Google: Der stille Gewinner

  • Hält laut Gerichtsdokumenten rund 14 Prozent an Anthropic, vertraglich gedeckelt bei 15 Prozent
  • Investierte in mehreren Schritten seit 2023 – von anfänglich 300 Millionen Dollar bis zu Zusagen von bis zu 40 Milliarden Dollar
  • Die Beteiligung ist bei der aktuellen Bewertung von 965 Milliarden Dollar bereits rund 135 Milliarden Dollar wert
  • Stellt im Gegenzug TPUs (eigene KI-Chips) bereit und betreibt Claude über Google Cloud Vertex AI

Warum nicht jeder überzeugt ist

So beeindruckend die Wachstumszahlen sind, so laut werden auch die kritischen Stimmen. Skeptiker verweisen darauf, dass ein direkt vergleichbares, bereits börsennotiertes Unternehmen für Anthropic schlicht fehlt – jede Bewertung basiert damit auf Annäherungen und eigenen Modellen der Investoren, nicht auf einer belastbaren Marktbewertung. Auch die Preissetzung gilt als wunder Punkt: Anthropics Modelle sind spürbar teurer als die der Konkurrenz, während der Wettbewerb die eigenen Preise kontinuierlich senkt. Hinzu kommen strukturelle Risiken wie der wachsende Wettbewerbsdruck aus China und wiederkehrende Spannungen mit der US-Regierung. Die entscheidende Frage, die selbst Wirtschaftsprofessoren offen stellen: Rechtfertigen die fundamentalen Kennzahlen wirklich einen Preis in dieser Größenordnung – oder wird hier ein Narrativ gehandelt, das der Realität vorauseilt?

Unsere Position: Beobachtungsmodus statt Hektik

Als SpaceX im Frühjahr an die Börse ging, haben wir bei TradingBrothers bewusst nicht sofort reagiert, sondern uns zunächst in den Beobachtungsmodus begeben – Zahlen sacken lassen, Marktreaktionen einordnen, Muster erkennen, bevor überhaupt eine strategische Entscheidung ansteht. Genau diesen Ansatz verfolgen wir auch bei Anthropic. Ein Rekord-IPO mit einer möglichen Bewertung von zwei Billionen Dollar ist ein Ereignis, das die Märkte über Monate beschäftigen wird – nicht ein Anlass für eine überstürzte Entscheidung am Tag der Schlagzeile.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen spontanem Reagieren und einem System, das auf wenigen, klar durchdachten Entscheidungen basiert. Wie wir die Anthropic-Bewertung, die Risiken und die möglichen Auswirkungen auf unser eigenes Depot konkret einordnen, besprechen wir ausführlich im Montagswebinar um 18:00 Uhr – dort nehmen wir dich mit in unsere tieferen Gedanken zu diesem Rekord-IPO und zeigen, was das für strukturierte Anleger tatsächlich bedeutet.

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Quellenverzeichnis:

  1. Handelsblatt: „Anthropic kann bei IPO wohl mit Zwei-Billionen-Bewertung rechnen", 13.08.2026
  2. Financial Times: Bericht zu Anthropics IPO-Bewertung
  3. Fortune: „Amazon and Google have billions riding on Anthropic. The IPO will finally reveal how much.", 04.06.2026
  4. The Motley Fool: „Amazon's Stake in Anthropic Could Be Worth Over $200 Billion if the AI Startup's Reported IPO Valuation Holds", 06.08.2026
  5. Gradually.ai: „Anthropic IPO 2026: Bewertung, Aktie & Börsengang"

09.08.2026 - Deutschland, wo geht deine Chemie hin?

Deutschland, deine Chemie – Symbolbild zur Krise der deutschen Chemieindustrie

Die deutsche Chemieindustrie durchlebt aktuell die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Die Kombination aus strukturellen Nachteilen am Standort Deutschland, geopolitischen Verwerfungen und einer massiven Gewichtsverschiebung in Richtung Asien hat die Branche in einen existenziellen Stresstest geführt.

Während der Untergang des einstigen Weltkonzerns Hoechst AG, der durch strategische Fehlentscheidungen aufgespalten wurde und sich gewissermaßen selbst zerstörte, noch ein hausgemachtes historisches Beispiel für den Wandel der Branche war, sind die heutigen Probleme existenzieller Natur. Besonders der deutsche Chemiestandort befindet sich seit einigen Jahren in einem beispiellosen strukturellen Wandel, der durch externe Schocks massiv beschleunigt wurde.

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*Chemieanlage bei Nacht: Hohe Energiekosten und Bürokratie setzen den Standort Deutschland unter Druck. Foto: Pixabay/denfran

Hohe Kosten, hohe Bürokratie

Eine Kombination aus extrem hohen Produktionskosten und überbordender Bürokratie sorgt inzwischen dafür, dass die gesamte europäische Chemieindustrie regelrecht ums Überleben kämpft.

Als besonders gravierend erweisen sich dabei die globalen geopolitischen Konflikte der jüngeren Vergangenheit. Zunächst trieb der Ukrainekrieg die Gas- und Strompreise in nie gekannte Höhen. Die darauffolgenden geopolitischen Verwerfungen und Lieferkettenprobleme durch den Irankrieg haben die Energiesicherheit weiter belastet und die Kosten auf einem international nicht mehr wettbewerbsfähigen Niveau verfestigt. Chemieunternehmen benötigen nicht nur günstiges Gas und Öl als Prozessstoffe, sondern auch günstige Energie für ihre Anlagen.

Wegen dieser hohen Energiepreise sahen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre Produktion in Deutschland drastisch zurückzufahren. Aktuelle Analysen zum Chemiestandort Deutschland aus dem Jahr 2026 zeichnen ein sehr angespanntes Bild, bei dem neben den reinen Energiekosten auch langwierige Genehmigungsverfahren und Bürokratie massiv Arbeitsplätze gefährden.

Die Abwanderung nach China

Als direkte Konsequenz dieser tiefgreifenden Standortkrise findet eine schleichende Deindustrialisierung statt, bei der die Chemieindustrie ihre strategischen Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert. China nimmt in dieser Entwicklung die absolute Schlüsselrolle ein. Die Volksrepublik lockt nicht nur mit deutlich geringeren Energiekosten, sondern besticht vor allem durch ihren gigantischen und wachsenden Binnenmarkt.

Das prominenteste Beispiel für diese Kapitalflucht ist BASF: Deutschlands größter Chemiekonzern baut derzeit einen neuen Mega-Standort im südchinesischen Zhanjiang und wettet damit Milliarden auf den asiatischen Markt, während die Investitionen und Kapazitäten im heimischen Ludwigshafen im Gegenzug spürbar reduziert werden.

Der im März 2026 offiziell eingeweihte BASF-Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang ist mit rund 8,7 Milliarden Euro Investitionsvolumen das größte Einzelprojekt der BASF-Geschichte und der drittgrößte Standort des Konzerns weltweit nach Ludwigshafen und Antwerpen. Produziert wird dort fast ausschließlich für den chinesischen Markt. Ziel ist es, Transportwege zu minimieren, Zöllen zu entgehen und direkt am dynamischsten Chemiemarkt der Welt zu partizipieren. Das neue Werk wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben und verfügt über den weltweit ersten zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Steamcracker. Technologische Innovationen und massive CO₂-Reduktionen um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen finden somit zunehmend im Ausland statt.

China spielt für die deutsche Industrie eine ambivalente Schlüsselrolle. Einerseits überschwemmt das Land den Weltmarkt mit günstigen Basischemikalien und erhöht damit den Margendruck auf deutsche Hersteller immens. Andererseits fließen die Investitionsmilliarden der großen deutschen Konzerne fast unweigerlich dorthin.

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*Chinas Chemiemarkt gewinnt für internationale Konzerne zunehmend an Bedeutung. (KI-generiertes Bild - magnific.com)

Keine nachhaltige Trendwende in Sicht

Trotz einer leichten Stabilisierung im ersten Halbjahr 2026 gibt es laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) keine nachhaltige Trendwende. Die Lage ist überaus ernst. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021. Die Hälfte der Chemieunternehmen leidet unter Auftragsmangel, wobei die In- und Auslandsaufträge seit 2021 um über 20 Prozent eingebrochen sind. Die Investitionen im Inland sind das dritte Jahr in Folge rückläufig. Jedes vierte deutsche Chemieunternehmen verlagert derzeit Produktion ins Ausland, bevorzugt nach Asien. Konzerne wie BASF, Evonik und Wacker Chemie haben weitreichende Sparprogramme und Stellenstreichungen initiiert, da hohe Energie- und Produktionskosten sowie zunehmende Bürokratie Investitionen am Heimatmarkt blockieren.

Die toxische Mischung aus dauerhaft hohen Energiekosten infolge des Ukraine-Kriegs und der akuten logistischen Strangulierung durch den Iran-Krieg zwingt deutsche Unternehmen dazu, Werke noch weiter herunterzufahren, wie etwa beim Kölner Konzern Lanxess, oder inländische Anlagen komplett an ausländische Investoren abzustoßen.

Was das für Anleger bedeutet

Das Ganze macht es für Investoren nicht einfach, in deutsche Chemieunternehmen zu investieren. Wir investieren im InVestitions-Depot Starter (kurz IVD-Starter) in den Spezialgase-Konzern Linde, der nach der Fusion mit der amerikanischen Praxair weiter wächst und auch an der Börse punktet. Das IVD-Starter wird von uns kostenfrei angeboten, es ist ein sehr guter Anfang, den wir jedem ermöglichen wollen. Das IVD-Starter steht übrigens seit dieser Woche an seinem Allzeithoch, was uns sehr freut.

👉 Wie du mit dem IVD Starter-Depot strukturiert investierst, statt auf Einzelwetten zu setzen

Quellen

Presseartikel:

1. WirtschaftsWoche – Was wurde aus Hoechst? Die Selbstzerstörung eines Weltkonzerns
https://www.wiwo.de/unternehmen/was-wurde-aus-hoechst-die-selbstzerstoerung-eines-weltkonzerns/29556518.html

2. wallstreet-online – Mega-Standort: BASF wettet Milliarden auf China-Rechnung
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/20659122-mega-standort-basf-wettet-milliarden-china-rechnung-auf

3. Börsen-Zeitung – Chemieindustrie verlagert Investitionen ins Ausland
https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/chemieindustrie-verlagert-investitionen-ins-ausland-2

4. Telepolis – Europas Chemieindustrie kämpft ums Überleben
https://www.telepolis.de/article/Europas-Chemieindustrie-kaempft-ums-Ueberleben-11259114.html

5. Deutsche Welle – Deutschland: Chemieindustrie-Krise, Wirtschaft, Standort
https://www.dw.com/de/deutschland-chemieindustrie-krise-wirtschaft-standort-v2/a-77200065

6. process.vogel.de – Chemie/Pharma Deutschland: Energiepreise, Bürokratie, Jobs
https://www.process.vogel.de/chemie-pharma-deutschland-energiepreise-buerokratie-jobs-a-d0c7fe8bd3237e8411df74f96c02fd82/

7. Tagesspiegel – Wegen hoher Energiepreise: Chemie-, Papier- und Metallindustrie fahren Produktion zurück
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wegen-hoher-energiepreise-chemie-papier-und-metallindustrie-fahren-produktion-zuruck-15599786.html

Datenquellen:

8. EY – Analyse Chemiestandort Deutschland 2026
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/04/ey-analyse-chemie-standort-deutschland-2026

9. Wikipedia – Hoechst (Hintergrund)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoechst

02.08.2026 - Die Milliarden-Rechnung: Was Waldbrände die Wirtschaft kosten

Feuerwehrleute bekämpfen Waldbrand in Südeuropa

Rauchwolken über Bordeaux, Ausgangssperren in Madrid, Hunderttausende Evakuierte in Frankreich und Spanien. Was sich diesen Sommer in Südeuropa abspielt, ist längst mehr als eine Naturkatastrophe. Es ist ein wirtschaftlicher Stresstest, der gleich mehrere Branchen gleichzeitig trifft, und der uns als Anleger einiges darüber verrät, wo in den kommenden Jahren Risiken, aber auch Chancen entstehen. Schauen wir uns an, wer konkret betroffen ist.

Rückversicherer: Die Rechnung landet zuerst bei ihnen

Wenn Wälder brennen, Häuser zerstört werden und Ernten ausfallen, ist es am Ende meist die Versicherungsbranche, die zahlt. Munich-Re-Chefklimaforscher Tobias Grimm bringt es auf den Punkt: Waldbrände entwickeln sich von einem primär ökologischen zu einem ernstzunehmenden wirtschaftlichen Risiko, gerade weil sich Menschen und Werte zunehmend in gefährdeten Regionen konzentrieren. Im Jahr 2017 verbrannten in Südeuropa knapp 990.000 Hektar, die wirtschaftlichen Verluste beliefen sich laut Europäischer Umweltagentur auf knapp 10 Milliarden Euro. 2022 waren es bei 300.000 Hektar in Spanien allein bereits 7,1 Milliarden Euro. Für Rückversicherer bedeutet diese Entwicklung steigende Schadensquoten, aber auch steigende Prämien, ein zweischneidiges Schwert, das wir im Blick behalten sollten.

PS: Die Hannover Rück ist in einem unserer Depots. Wie wir damit umgehen, erklären wir in einem Video im internen Kundenbereich. Sprich uns an, wenn Du interessiert bist.

Tourismus: Die Buchungen brechen sofort weg

Kein Sektor reagiert so schnell wie der Tourismus. Ein Reiseveranstalter aus Bordeaux berichtete von einem Rückgang der Buchungen um rund 40 Prozent, mitten in der Hochsaison. Die Zahlen, die er dazu nennt, zeigen das Ausmaß deutlich:

  • Bei einer seiner beliebtesten Stadtführungen kamen statt der üblichen 20 bis 30 Teilnehmer plötzlich nur noch 6
  • Für die kommende Woche hatten bereits 10 Kunden storniert
  • Bordeaux empfängt jährlich rund 6,5 Millionen Besucher, Tourismus trägt rund 7 Prozent zum lokalen BIP bei

Ähnliches gilt für Spanien und Griechenland, wo aktuell ebenfalls Regionen evakuiert werden müssen.

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*Leere Liegen und Sonnenschirme an einem Strand in der Hochsaison. Die Waldbrände lassen Touristen fernbleiben und treffen damit eine der wichtigsten Einnahmequellen betroffener Regionen. Bild: KI-generiert / magnific.com

Agrarwirtschaft: Die Ernte, die ausfällt

Wir hatten die Belastung der Landwirtschaft durch den Iran-Krieg vor einigen Wochen schon mal beleuchtet. Die Landwirte kommen nicht zur Ruhe. In der Region Bordeaux, traditionell eine der bedeutendsten Weinregionen der Welt, sind die Rebflächen direkt betroffen. Die Weinexporte lagen dort bereits im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit Beginn des Jahrhunderts, die lokalen Behörden planen nun sogar, rund 30.000 Hektar Rebfläche zu roden, fast ein Drittel der gesamten Anbaufläche der Region. Landwirte müssen zudem Felder abmähen, um Brandschneisen zu schlagen, und verlieren dadurch zusätzlich wichtige Ernteerträge. Eine Branche, die ohnehin im Umbruch war, wird durch die Brände zusätzlich unter Druck gesetzt.

Energie und Wasser: Die stille zweite Front

Neben Wein und Tourismus rückt eine weitere, weniger sichtbare Front in den Fokus, die Versorgungsinfrastruktur. In Frankreich näherten sich die Flammen zeitweise wichtigen Industriegebieten, darunter Fabriken von Ariane, Airbus, Dassault und Safran, die ihren Betrieb voraussichtlich bald wieder aufnehmen können, sofern keine direkten Schäden entstehen. Kleinere Zulieferbetriebe trifft es meist härter und länger. Laut einer Studie der französischen Zentralbank kann ihr Umsatz nach Naturkatastrophen innerhalb von fünf Jahren um rund 8 Prozent sinken. Gleichzeitig verschärft die anhaltende Trockenheit die Wassersituation in der Region zusätzlich, ein Faktor, der sich in den kommenden Jahren strukturell auf Versorger und Infrastrukturanbieter auswirken dürfte.

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*Ein Wasserreservoir mit deutlich sichtbar gesunkenem Pegel und freigelegten Uferzonen. Die anhaltende Trockenheit setzt nicht nur der Landwirtschaft, sondern zunehmend auch der Wasserinfrastruktur europaweit zu. Bild: KI-generiert / magnific.com

Der Blick nach vorn: Kurzfristiger Schock, langfristiges Strukturthema

Die wirtschaftlichen Folgen der Brände lassen sich auf drei Zeithorizonten einordnen:

  • Kurzfristig zeigt sich die Rechnung in Stornierungen, Evakuierungen und akuten Löschkosten, laut spanischem Forstdienstleister Forescat kostet die Bekämpfung von Waldbränden dort rund 19.000 Euro pro Hektar
  • Mittelfristig kommen die Wiederaufbaukosten hinzu, allein die Wiederaufforstung könnte in Frankreich Schätzungen zufolge 300 Millionen Euro erreichen, und das trifft auf einen Staatshaushalt mit einem Defizit von rund 5 Prozent des BIP
  • Langfristig zeigt eine Studie der ETH Zürich, dass Regionen mit mindestens einem Waldbrand ein um 0,11 bis 0,18 Prozent niedrigeres Wirtschaftswachstum verzeichnen, bei mehreren gleichzeitigen Großbränden kann der Effekt auf bis zu 4,5 Prozent steigen

Was früher ein saisonales Ereignis war, wird zunehmend zu einem strukturellen Risikofaktor, für Regionen, für Staatshaushalte und letztlich auch für einzelne Branchen und Unternehmen.

Du möchtest weiterhin informiert bleiben und an weltwirtschaftlichen Entwicklungen teilhaben. Sichere Dir das Expertenwissen der TradingBrothers.

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Quellen

Presse:
1. Capital.de: Die Waldbrände sind ein Milliarden-Risiko für ganz Europa
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/die-waldbraende-sind-ein-milliarden-risiko-fuer-ganz-europa-38028264.html

2. Deutsche Welle: Spanien: Wie Waldbrände der Wirtschaft schaden
https://www.dw.com/de/spanien-wie-waldbraende-der-wirtschaft-schaden/a-78162576

3. Euronews: So groß wie Luxemburg: So schlimm sind die Waldbrände 2026 in Europa
https://de.euronews.com/my-europe/2026/07/30/luxemburg-waldbraende-2026-spanien-feuer

Daten:
5. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL-Statistik): Waldbrandstatistik 2025
https://www.bmel-statistik.de/forst-holz/waldbrandstatistik

6. WWF Deutschland: Europas Brandsommer eskaliert
https://www.wwf.de/2026/juli/europas-brandsommer-eskaliert

26.07.2026 - SpaceX: Was uns der Kursverlauf nach einem Monat lehrt

SpaceX Aktie im Blick: Raketenstart symbolisiert den Kursverlauf nach einem Monat an der Börse

Rund vier Wochen ist es her, dass SpaceX an die Börse gegangen ist. Genug Zeit für einen ersten nüchternen Blick auf das, was seitdem passiert ist – und vor allem darauf, was das für Anleger bedeutet, die jetzt über einen Einstieg nachdenken. Wir haben uns die Entwicklung im Detail angeschaut und ordnen ein, wo die Aktie aktuell steht.

Der Kursverlauf seit dem IPO

Ausgegeben wurde SpaceX zu einem Preis von 135 US-Dollar. Kurz nach dem Börsengang zog der Kurs auf rund 150 US-Dollar an – getrieben auch durch die verpflichtende Aufnahme in den Nasdaq 100, die entsprechende Käufe durch Indexfonds nach sich zog. Genau in diesem Umfeld, als die reine Pflichtnachfrage der Indexfonds ausgelaufen war, kam es zu einem scharfen Bruch nach unten. Aus der anfänglichen Euphorie wurde ein schneller Sell-off, bei dem sich der Kurs von seinem Hoch aus deutlich zurückgezogen hat und sich mittlerweile im Bereich der unteren Unterstützungslinie bewegt.

Für uns ist das ein typisches Muster bei stark gehypten Börsengängen: Wer nur auf den kurzfristigen Hype spekuliert hat, ist bereits wieder ausgestiegen. Übrig bleiben die Anleger, die eine echte Meinung zum Unternehmen haben – und genau die werden jetzt getestet.

Chart SpaceX

Warum das Geschäftsmodell entscheidend ist

Der zentrale Punkt aus unserer Sicht: SpaceX schreibt aktuell noch keine Gewinne. Profitabel ist bislang im Wesentlichen das Satellitengeschäft rund um Starlink. Die übrigen Ambitionen – Rechenzentren im All, Rohstoffabbau im Weltraum, bemannte Marsflüge – sind Zukunftsprojekte, die aktuell vor allem eines produzieren: Kosten. Die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang überschreitet die tatsächlichen operativen Gewinne um ein Vielfaches. Das ist keine Bewertung eines etablierten Geschäfts, sondern eine Wette auf das, was in den kommenden Jahren noch kommen soll.

Bemerkenswert ist zudem, wer beim IPO bereits verdient hat: Die beteiligten Banken haben laut unseren Berechnungen rund 500 Millionen US-Dollar an Gebühren eingenommen. Auch Elon Musk selbst hat sich mit dem Emissionspreis bereits sein Kapital gesichert – unabhängig davon, wie sich der Aktienkurs in den folgenden Wochen entwickelt. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Perspektive eines Neuanlegers, der jetzt erst einsteigt.


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* SpaceX Kursverlauf vom Börsengang am 12. Juni bis zum 17. Juli 2026 mit Hoch bei 225 Dollar und Rückgang unter den Ausgabepreis

Die Parallele zu Facebook – und warum sie nur bedingt trägt

Wer den Werdegang großer Tech-Börsengänge kennt, erinnert sich an Facebook, heute Meta: anfängliche Euphorie, dann Ernüchterung, ein deutlicher Kursverfall – und Jahre später ein völlig neues Kapitel mit einer der erfolgreichsten Aktien überhaupt. Diese Parallele drängt sich bei SpaceX auf, sollte aber nicht überstrapaziert werden. Der Vergleich zeigt vor allem eines: Solche Entwicklungen brauchen Zeit, um sich zu klären. Eine seriöse Einschätzung ist erst möglich, wenn sich der Kurs nach der ersten Volatilität etabliert hat.

Unsere Einschätzung für Privatanleger

Aktuell sehen wir SpaceX nicht als Investment-Kandidaten. Dafür fehlt schlicht der Nachweis, dass sich das Geschäftsmodell abseits von Starlink wirtschaftlich trägt. Ein Investment im klassischen Sinne setzt für uns voraus, dass ein Unternehmen Umsatz und Gewinn erwirtschaftet – beides ist bei SpaceX in der Breite noch nicht gegeben.

Als kurzfristige Trading-Chance ist die Aktie dagegen durchaus einen Blick wert, allerdings nur mit einem sauberen Risikomanagement. Bricht der Kurs unter die aktuelle Unterstützungslinie, muss man bereit sein, Verluste zu realisieren. Wer stattdessen auf ein langfristiges Investment setzt, sollte sich bewusst sein, dass hier auch deutliche Rückschläge über Monate oder Jahre möglich sind.

Ein wichtiger Termin für die weitere Einordnung: Am 6. August stehen die nächsten Zahlen an. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, wie belastbar das aktuelle Geschäftsmodell tatsächlich ist und ob sich die Story stabilisiert oder weiter unter Druck gerät.

Fazit

SpaceX ist zweifellos eine der spannendsten Börsengeschichten des Jahres. Aber Spannung allein ist kein Investmentkriterium. Für uns gilt: Wir beobachten die Aktie weiter genau, ohne uns von der Story mitreißen zu lassen. Genau diese Trennung zwischen faszinierender Vision und belastbaren Zahlen ist es, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg eines Investments entscheidet.

👉 Wie wir solche Situationen im Detail analysieren und welche Aktien wir aktuell für unsere Depots im Blick haben, besprechen wir jeden Montag um 18 Uhr im kostenlosen Montags-Webinar

14.07.2026, -50% bei Rheinmetall - Ende der Party?

Rüstungsbranche im Check: Rekordzahlen, fallende Kurse – und ein Muster mit 88% Trefferquote

Kaum ein Thema bewegt die Börse gerade so sehr wie die Zukunft der Rüstungsindustrie. Nach Jahren des Höhenflugs ist der Sektor spürbar unter Druck geraten – und ausgerechnet einer der bekanntesten deutschen Werte steht dabei im Zentrum der Debatte, Rheinmetall.

Was die Zahlen wirklich zeigen und wie wir die Situation einschätzen, erklären wir Dir heute in diesem YouTube-Video.

 

 

20260718.Rheinmetall