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TradingBrothers Blog

09.08.2026 - Deutschland, wo geht deine Chemie hin?

Deutschland, deine Chemie – Symbolbild zur Krise der deutschen Chemieindustrie

Die deutsche Chemieindustrie durchlebt aktuell die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Die Kombination aus strukturellen Nachteilen am Standort Deutschland, geopolitischen Verwerfungen und einer massiven Gewichtsverschiebung in Richtung Asien hat die Branche in einen existenziellen Stresstest geführt.

Während der Untergang des einstigen Weltkonzerns Hoechst AG, der durch strategische Fehlentscheidungen aufgespalten wurde und sich gewissermaßen selbst zerstörte, noch ein hausgemachtes historisches Beispiel für den Wandel der Branche war, sind die heutigen Probleme existenzieller Natur. Besonders der deutsche Chemiestandort befindet sich seit einigen Jahren in einem beispiellosen strukturellen Wandel, der durch externe Schocks massiv beschleunigt wurde.

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*Chemieanlage bei Nacht: Hohe Energiekosten und Bürokratie setzen den Standort Deutschland unter Druck. Foto: Pixabay/denfran

Hohe Kosten, hohe Bürokratie

Eine Kombination aus extrem hohen Produktionskosten und überbordender Bürokratie sorgt inzwischen dafür, dass die gesamte europäische Chemieindustrie regelrecht ums Überleben kämpft.

Als besonders gravierend erweisen sich dabei die globalen geopolitischen Konflikte der jüngeren Vergangenheit. Zunächst trieb der Ukrainekrieg die Gas- und Strompreise in nie gekannte Höhen. Die darauffolgenden geopolitischen Verwerfungen und Lieferkettenprobleme durch den Irankrieg haben die Energiesicherheit weiter belastet und die Kosten auf einem international nicht mehr wettbewerbsfähigen Niveau verfestigt. Chemieunternehmen benötigen nicht nur günstiges Gas und Öl als Prozessstoffe, sondern auch günstige Energie für ihre Anlagen.

Wegen dieser hohen Energiepreise sahen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre Produktion in Deutschland drastisch zurückzufahren. Aktuelle Analysen zum Chemiestandort Deutschland aus dem Jahr 2026 zeichnen ein sehr angespanntes Bild, bei dem neben den reinen Energiekosten auch langwierige Genehmigungsverfahren und Bürokratie massiv Arbeitsplätze gefährden.

Die Abwanderung nach China

Als direkte Konsequenz dieser tiefgreifenden Standortkrise findet eine schleichende Deindustrialisierung statt, bei der die Chemieindustrie ihre strategischen Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert. China nimmt in dieser Entwicklung die absolute Schlüsselrolle ein. Die Volksrepublik lockt nicht nur mit deutlich geringeren Energiekosten, sondern besticht vor allem durch ihren gigantischen und wachsenden Binnenmarkt.

Das prominenteste Beispiel für diese Kapitalflucht ist BASF: Deutschlands größter Chemiekonzern baut derzeit einen neuen Mega-Standort im südchinesischen Zhanjiang und wettet damit Milliarden auf den asiatischen Markt, während die Investitionen und Kapazitäten im heimischen Ludwigshafen im Gegenzug spürbar reduziert werden.

Der im März 2026 offiziell eingeweihte BASF-Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang ist mit rund 8,7 Milliarden Euro Investitionsvolumen das größte Einzelprojekt der BASF-Geschichte und der drittgrößte Standort des Konzerns weltweit nach Ludwigshafen und Antwerpen. Produziert wird dort fast ausschließlich für den chinesischen Markt. Ziel ist es, Transportwege zu minimieren, Zöllen zu entgehen und direkt am dynamischsten Chemiemarkt der Welt zu partizipieren. Das neue Werk wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben und verfügt über den weltweit ersten zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Steamcracker. Technologische Innovationen und massive CO₂-Reduktionen um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen finden somit zunehmend im Ausland statt.

China spielt für die deutsche Industrie eine ambivalente Schlüsselrolle. Einerseits überschwemmt das Land den Weltmarkt mit günstigen Basischemikalien und erhöht damit den Margendruck auf deutsche Hersteller immens. Andererseits fließen die Investitionsmilliarden der großen deutschen Konzerne fast unweigerlich dorthin.

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*Chinas Chemiemarkt gewinnt für internationale Konzerne zunehmend an Bedeutung. (KI-generiertes Bild - magnific.com)

Keine nachhaltige Trendwende in Sicht

Trotz einer leichten Stabilisierung im ersten Halbjahr 2026 gibt es laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) keine nachhaltige Trendwende. Die Lage ist überaus ernst. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021. Die Hälfte der Chemieunternehmen leidet unter Auftragsmangel, wobei die In- und Auslandsaufträge seit 2021 um über 20 Prozent eingebrochen sind. Die Investitionen im Inland sind das dritte Jahr in Folge rückläufig. Jedes vierte deutsche Chemieunternehmen verlagert derzeit Produktion ins Ausland, bevorzugt nach Asien. Konzerne wie BASF, Evonik und Wacker Chemie haben weitreichende Sparprogramme und Stellenstreichungen initiiert, da hohe Energie- und Produktionskosten sowie zunehmende Bürokratie Investitionen am Heimatmarkt blockieren.

Die toxische Mischung aus dauerhaft hohen Energiekosten infolge des Ukraine-Kriegs und der akuten logistischen Strangulierung durch den Iran-Krieg zwingt deutsche Unternehmen dazu, Werke noch weiter herunterzufahren, wie etwa beim Kölner Konzern Lanxess, oder inländische Anlagen komplett an ausländische Investoren abzustoßen.

Was das für Anleger bedeutet

Das Ganze macht es für Investoren nicht einfach, in deutsche Chemieunternehmen zu investieren. Wir investieren im InVestitions-Depot Starter (kurz IVD-Starter) in den Spezialgase-Konzern Linde, der nach der Fusion mit der amerikanischen Praxair weiter wächst und auch an der Börse punktet. Das IVD-Starter wird von uns kostenfrei angeboten, es ist ein sehr guter Anfang, den wir jedem ermöglichen wollen. Das IVD-Starter steht übrigens seit dieser Woche an seinem Allzeithoch, was uns sehr freut.

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Quellen

Presseartikel:

1. WirtschaftsWoche – Was wurde aus Hoechst? Die Selbstzerstörung eines Weltkonzerns
https://www.wiwo.de/unternehmen/was-wurde-aus-hoechst-die-selbstzerstoerung-eines-weltkonzerns/29556518.html

2. wallstreet-online – Mega-Standort: BASF wettet Milliarden auf China-Rechnung
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/20659122-mega-standort-basf-wettet-milliarden-china-rechnung-auf

3. Börsen-Zeitung – Chemieindustrie verlagert Investitionen ins Ausland
https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/chemieindustrie-verlagert-investitionen-ins-ausland-2

4. Telepolis – Europas Chemieindustrie kämpft ums Überleben
https://www.telepolis.de/article/Europas-Chemieindustrie-kaempft-ums-Ueberleben-11259114.html

5. Deutsche Welle – Deutschland: Chemieindustrie-Krise, Wirtschaft, Standort
https://www.dw.com/de/deutschland-chemieindustrie-krise-wirtschaft-standort-v2/a-77200065

6. process.vogel.de – Chemie/Pharma Deutschland: Energiepreise, Bürokratie, Jobs
https://www.process.vogel.de/chemie-pharma-deutschland-energiepreise-buerokratie-jobs-a-d0c7fe8bd3237e8411df74f96c02fd82/

7. Tagesspiegel – Wegen hoher Energiepreise: Chemie-, Papier- und Metallindustrie fahren Produktion zurück
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wegen-hoher-energiepreise-chemie-papier-und-metallindustrie-fahren-produktion-zuruck-15599786.html

Datenquellen:

8. EY – Analyse Chemiestandort Deutschland 2026
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/04/ey-analyse-chemie-standort-deutschland-2026

9. Wikipedia – Hoechst (Hintergrund)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoechst