26.07.2026 - SpaceX: Was uns der Kursverlauf nach einem Monat lehrt

Rund vier Wochen ist es her, dass SpaceX an die Börse gegangen ist. Genug Zeit für einen ersten nüchternen Blick auf das, was seitdem passiert ist – und vor allem darauf, was das für Anleger bedeutet, die jetzt über einen Einstieg nachdenken. Wir haben uns die Entwicklung im Detail angeschaut und ordnen ein, wo die Aktie aktuell steht.
Der Kursverlauf seit dem IPO
Ausgegeben wurde SpaceX zu einem Preis von 135 US-Dollar. Kurz nach dem Börsengang zog der Kurs auf rund 150 US-Dollar an – getrieben auch durch die verpflichtende Aufnahme in den Nasdaq 100, die entsprechende Käufe durch Indexfonds nach sich zog. Genau in diesem Umfeld, als die reine Pflichtnachfrage der Indexfonds ausgelaufen war, kam es zu einem scharfen Bruch nach unten. Aus der anfänglichen Euphorie wurde ein schneller Sell-off, bei dem sich der Kurs von seinem Hoch aus deutlich zurückgezogen hat und sich mittlerweile im Bereich der unteren Unterstützungslinie bewegt.
Für uns ist das ein typisches Muster bei stark gehypten Börsengängen: Wer nur auf den kurzfristigen Hype spekuliert hat, ist bereits wieder ausgestiegen. Übrig bleiben die Anleger, die eine echte Meinung zum Unternehmen haben – und genau die werden jetzt getestet.

Warum das Geschäftsmodell entscheidend ist
Der zentrale Punkt aus unserer Sicht: SpaceX schreibt aktuell noch keine Gewinne. Profitabel ist bislang im Wesentlichen das Satellitengeschäft rund um Starlink. Die übrigen Ambitionen – Rechenzentren im All, Rohstoffabbau im Weltraum, bemannte Marsflüge – sind Zukunftsprojekte, die aktuell vor allem eines produzieren: Kosten. Die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang überschreitet die tatsächlichen operativen Gewinne um ein Vielfaches. Das ist keine Bewertung eines etablierten Geschäfts, sondern eine Wette auf das, was in den kommenden Jahren noch kommen soll.
Bemerkenswert ist zudem, wer beim IPO bereits verdient hat: Die beteiligten Banken haben laut unseren Berechnungen rund 500 Millionen US-Dollar an Gebühren eingenommen. Auch Elon Musk selbst hat sich mit dem Emissionspreis bereits sein Kapital gesichert – unabhängig davon, wie sich der Aktienkurs in den folgenden Wochen entwickelt. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Perspektive eines Neuanlegers, der jetzt erst einsteigt.
* SpaceX Kursverlauf vom Börsengang am 12. Juni bis zum 17. Juli 2026 mit Hoch bei 225 Dollar und Rückgang unter den Ausgabepreis
Die Parallele zu Facebook – und warum sie nur bedingt trägt
Wer den Werdegang großer Tech-Börsengänge kennt, erinnert sich an Facebook, heute Meta: anfängliche Euphorie, dann Ernüchterung, ein deutlicher Kursverfall – und Jahre später ein völlig neues Kapitel mit einer der erfolgreichsten Aktien überhaupt. Diese Parallele drängt sich bei SpaceX auf, sollte aber nicht überstrapaziert werden. Der Vergleich zeigt vor allem eines: Solche Entwicklungen brauchen Zeit, um sich zu klären. Eine seriöse Einschätzung ist erst möglich, wenn sich der Kurs nach der ersten Volatilität etabliert hat.
Unsere Einschätzung für Privatanleger
Aktuell sehen wir SpaceX nicht als Investment-Kandidaten. Dafür fehlt schlicht der Nachweis, dass sich das Geschäftsmodell abseits von Starlink wirtschaftlich trägt. Ein Investment im klassischen Sinne setzt für uns voraus, dass ein Unternehmen Umsatz und Gewinn erwirtschaftet – beides ist bei SpaceX in der Breite noch nicht gegeben.
Als kurzfristige Trading-Chance ist die Aktie dagegen durchaus einen Blick wert, allerdings nur mit einem sauberen Risikomanagement. Bricht der Kurs unter die aktuelle Unterstützungslinie, muss man bereit sein, Verluste zu realisieren. Wer stattdessen auf ein langfristiges Investment setzt, sollte sich bewusst sein, dass hier auch deutliche Rückschläge über Monate oder Jahre möglich sind.
Ein wichtiger Termin für die weitere Einordnung: Am 6. August stehen die nächsten Zahlen an. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, wie belastbar das aktuelle Geschäftsmodell tatsächlich ist und ob sich die Story stabilisiert oder weiter unter Druck gerät.
Fazit
SpaceX ist zweifellos eine der spannendsten Börsengeschichten des Jahres. Aber Spannung allein ist kein Investmentkriterium. Für uns gilt: Wir beobachten die Aktie weiter genau, ohne uns von der Story mitreißen zu lassen. Genau diese Trennung zwischen faszinierender Vision und belastbaren Zahlen ist es, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg eines Investments entscheidet.