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TradingBrothers Blog

26.04.2026 - Deutschlands halbiertes Wachstum trifft den DAX hart

Die Bundesregierung hat am 22. April 2026 ihre BIP-Prognose für 2026 von 1,0 % auf 0,5 % halbiert – und das ist noch die optimistische Variante. Der erneute Auslöser - wie zuvor Pandemie, Ukraine und US-Zölle - ist der  Iran-Krieg, der die Straße von Hormus blockiert und einen Energiepreisschock durch alle DAX-Bilanzen jagt. Nach zwei Rezessionsjahren schrammt Deutschland damit 2026 erneut an der Stagnation entlang. Während die Inflation im März wieder auf +2,7 % kletterte, verzeichnete man 2025 mit über 24.000 Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit zehn Jahren.

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Der Energiepreisschock hat einen Namen: Hormus

Die Eskalationskette im Nahen Osten erklärt die aktuelle Marktdynamik besser als jede Theorie. Nach dem Angriff auf die katarische LNG-Anlage Ras Laffan sind 17 % der Exportkapazität dauerhaft zerstört – die Reparatur wird bis zu fünf Jahre dauern. In der Folge schoss Brent-Öl auf 113 USD, während sich der TTF-Gaspreis auf 74 €/MWh verdoppelte. Stand Ende April bleibt die Lage extrem volatil: Iran beschießt Schiffe, die USA blockieren Häfen und Donald Trump beansprucht die „totale Kontrolle“ über die Meerenge. Das ist das zentrale Risiko für alle DAX-Prognosen 2026.

Der DAX zwischen Rekordhoch und Realität

Der Index markierte im Januar 2026 noch einen Rekord von 25.508 Punkten, wird seitdem aber von zwei Schocks – dem Trump-Zollpaket und dem Iran-Krieg – ausgebremst. Aktuell notiert der DAX bei rund 24.150 Punkten. Die Bankenprognosen für das Jahresende klaffen weit auseinander:

  • DZ Bank (bullish): Peilt 26.000 Punkte an und sieht das Sondervermögen als Game-Changer.

  • LBBW: Erwartet eine Erholung auf 25.000 Punkte.

  • Warburg (bearish): Warnt vor einem Absturz auf 21.000 Punkte.

Trotz der schwachen Konjunktur stützt das niedrige KGV von ~12 den Markt. Die EZB pausierte zuletzt beim Einlagezins von 2,00 %, da der Energiepreisschock weitere monetäre Lockerungen vorerst unmöglich macht.

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*Die Schere im DAX öffnet sich: Während Infrastruktur-Gewinner wie Siemens Energy und RWE von der Energieknappheit profitieren, werden energieintensive Produzenten und Exporteure wie BMW, Mercedes und Heidelberg Materials, SAP massiv abverkauft. (YTD - April 2026)

Automobilindustrie im Strukturbruch

Die deutschen Premium-Hersteller kämpfen an mehreren Fronten gleichzeitig: US-Zölle, China-Schwäche und hohe Energiekosten. Volkswagen meldete einen Ergebniseinbruch von 44 % und schloss mit der Gläsernen Manufaktur in Dresden das erste Werk der Firmengeschichte. Noch härter traf es Mercedes-Benz mit einem Gewinnrückgang von 49 %, da die Luxusklientel in China zunehmend zu Konkurrenten wie BYD oder NIO abwandert.

Die Krise zieht weite Kreise in der Zulieferindustrie:

  • Bosch: Baute bis Ende 2025 über 14.000 Stellen ab.

  • ZF: Plant Streichungen in ähnlicher Größenordnung in Deutschland.

  • Beschäftigung: Mit nur noch 721.400 Mitarbeitern in der Autoindustrie wurde der tiefste Stand seit 2011 erreicht.

Siemens floriert – Chemie am Boden

Während BASF zum Prototyp der Deindustrialisierung wird und massiv in China investiert, während in Ludwigshafen 4.800 Stellen wegfallen, liefert die Siemens AG Rekordzahlen. Dank des US-Datacenter-Booms stieg der Auftragsbestand auf 120 Mrd. €. Auch Siemens Energy ist mit einem Rekordplus innerhalb von 12 Monaten der absolute Überflieger im DAX und zahlt erstmals wieder eine Dividende.

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*Siemens Energy gehört zu den Gewinnern der Öl-Krise - Quelle: Handelsblatt

Banken und die großen Gewinner: Rüstung & Infrastruktur

Das Merz-Paket vom März 2025 ist das fiskalische Großereignis dieser Dekade. Durch die Grundgesetzänderung fließen über 500 Mrd. € in Infrastruktur und Klimaneutralität. Der Verteidigungshaushalt steigt 2026 auf 108,2 Mrd. €. Davon profitiert vor allem Rheinmetall mit einem Auftragsbestand von über 63 Mrd. €. Im Bankensektor lieferte die Deutsche Bank mit 7,1 Mrd. € ihr stärkstes Jahr seit langem ab, während die Commerzbank durch den Einstieg der UniCredit zum Übernahmeobjekt wurde.

Investment-Konsequenzen: Drei klare Cluster

Wer 2026 im DAX investiert, muss sein Portfolio strikt nach Profitabilitat und politischem Rückenwind sortieren:

  1. Meiden/Reduzieren: Exportabhängige Industrie ohne strukturelle Story (z.B. ThyssenKrupp, Mercedes, BASF).

  2. Selektiv kaufen: Unternehmen mit hoher Qualität oder asymmetrischem Profil (z.B. Deutsche Bank, BMW, Deutsche Telekom).

  3. Sondervermögen-Profiteure: Hier liegt das größte Potenzial (z.B. Heidelberg Materials, RWE, Rheinmetall).

Bilanz: Der DAX ist 2026 strukturell gesünder als die deutsche Wirtschaft, da drei Viertel der Umsätze im Ausland erzielt werden. Die Korrelation zum deutschen BIP ist so schwach wie selten. Die nächsten Wochen mit den EZB-Entscheidungen (30. April) und den Zahlen von Rheinmetall (7. Mai) werden die Richtung für den Sommer vorgeben.


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Quellenangaben:

Konjunktur: Bundesministerium für Wirtschaft (BIP-Revision), Gemeinschaftsdiagnose (ifo, DIW, IfW), Bundesbank (Nagel-Statement).
Geopolitik: Wikipedia (Hormus-Chronologie), Bloomberg (Ölpreise), euronews (Trump-Aussagen).
Unternehmensdaten: Siemens Geschäftsbericht, VW Quartalszahlen (ZDFheute), Deutsche Bank Investor Relations.
Marktdaten: Finanzen.net (DAX-Historie), TradingQuotrix, LSEG Datastream.
Politik: German Bundestag (Merz-Paket/Sondervermögen), BaFin (Risikoausblick 2026)